16. November 2008 ·
Berühmt, berüchtigt, gefürchtet und vor allem Unberechenbar. So wurde uns im Vorfeld von der Durchhalteübung (DHU) erzählt. Geistig auf das schlimmste vorbereitet starteten wir in die Durchhaltewoche. Da ich am Sonntagabend zur falschen Zeit am falschen Ort neben dem Hauptfeldweibel vorbeischlich wurde ich direkt zum Wachtkomandanten befördert. Tja so hat es einem. Ich führte also die Zutrittskontrolle in Wallisellen. Irgendwann vor Mitternacht hatten die Kader die Befehlsausgabe für die DHU. Irgendwann in der Nacht (es war etwa 0200) traf ich meinen Zugführer in der Kaserne. Er hatte mir den Auftrag den Funknetzplan für die DHU zu erstellen.
Am Montag stellten wir das Komplette Material bereit und verluden dieses auf die Anhänger. Am Dienstag standen AGA-Repetitionslektionen auf dem Tagesplan. Ich durfte eine Funkgerätlektion abhalten, welche von den Wenigsten im Raum aufgenommen wurde. Daher ersparte ich mir nach der Ersten von 3 Lektionen die Mühe und liess die anderen Lektionen bleiben. Die Funkgeräte waren sowieso eingerichtet das sie Funktionierten und wenn etwas nicht so tat wie es sollte, wendete man sich sowieso an mich ;-) (Ich könnte fast behaupten das Pareto-Prinzip angewendet zu haben). Nebst den Lektionen absolvierten die Soldaten noch den Wachtdienst-Test und ein 300Meter Schiessen.
Danach verschoben wir in Richtung Oberurnen zur Eternit AG wo wir als Schlafplatz eine Lagerhalle für spezialbeschichtete Eternitplatten bezogen. Leider war diese Halle nicht wirklich Standhaft, sodass der Regen, welcher in dieser Nacht fiel ungehindert den weg in unsere Schlafsäcke fand. Am Morgen schwamm ich zum Schlafsack hinaus und kämpfte zum ersten mal mit meiner Eigenmotivation. Diese war aber schnell gefunden, da unser Trupp die Nachrichtenzentrale aufbauen durfte. Und die Zentrale ist erfahrungsgemäss trocken, warm und wettergeschützt. Als Stützpunkt dienten uns zwei grosse Hangarhallen welche von einem Zug komplett eingezäunt und mit Stacheldraht gehärtet wurde. Dieser Zug stellte danach die Sicherung des Dispos sicher.
Im Hangar selbst bauten wir mit den vorhandenen Mittel die Komandowände und richteten uns innerhalb weniger Stunden komplett ein, sodass auch die Übungsleitung mit dem Ergebnis sehr zufrieden war. Nach dem Aufbau war Schichtbetrieb angesagt. Wir einigten uns auf 4 Stunden Schichten, was mit 4 Wachtmeistern eine sehr gemütliche Angelegenheit ergab. Ich schlief die meiste Zeit wenn ich nicht gerade irgendwo gebraucht wurde.
Via Telefon kam von unserer Vorgesetzten Stelle, dem Flugplatz Kommando, immer wieder neue Lageinformationen. Es war ja fast anzunehmen, dass irgendwann eine Bombe gefunden wird welche irgendwo in der Industrie etwas hochgiftiges verstreut, das auf uns zu Steuert. Für uns hiess das langsame Bereitschaftsgraderhöhung. Am Schluss sassen wir im C-Vollschutz da und warteten auf die Verschiebung nach Frauenfeld.
Hier wurde meine Durchhalteübung aber auch schon relativ abrupt abgebrochen, da sich in meinem Leben ausserhalb der Armee einige Dinge getan haben welche meine Anwesenheit erforderten. So wurde ich ausgegliedert und am Donnerstagabend entlassen. Hier noch ein dank an die Übungsleitung, welche die Angelegenheit sehr schnell und problemlos organisiert haben. Danke!

16. November 2008 ·
Das unsere Verbandsausbildung sehr Verlegungsintensiv sein wird war uns schon im Vorfeld bekannt. So erstaunte es auch nicht, dass wir mehr oder weniger Geordnet von Luzern her in Richtung St. Gallen um da wieder eine Anlage zu beziehen. In dieser Woche wurden wir in der Übung “Interarmes” eingesetzt. Die Übung hatte eine sehr lange Ausgangslage, welche man mehrmals lesen musste um irgendwie nur eine Ahnung zu kriegen um was es da genau ging. Jedenfalls waren zwei der Länder um die Schweiz sehr konfliktgeladen und die Aggressoren lieferten sich ein Säbelrasseln an den schweizer Grenzen.
Der Übungsname lässt auch darauf zurück schliessen, dass verschiedene Truppengattungen und Funktionen zusammen einen Auftrag erfüllen. Jedoch wurde das wohl nur in der Zentrale wirklich sichtbar, auf dem Feld merkte man nicht viel, ausser das einmal eine Führungsstaffel mit ihren Fahrzeugen an uns vorbei fuhr…
Einerseits galt es 3 Beobachtungsposten zu betreiben und die Nachrichtenzentrale für den Einsatzverband Boden bereit zu stellen.
Bis auf einige Konflikte mit dem Bauern – dessen Scheune wir nutzten, ohne dass er davon in Kenntnis gesetzt wurde. Verlief die Übung sehr ruhig. An die Zielflüge mit der Alouette 3 und den PC-7/9 hatten wir uns gewöhnt und auch die Zentrale glänzte im Einsatzbunker beim Augenschein des Brigadiers.
Ich hatte auch in dieser Woche wieder den Auftrag die Verbindungen beim Wetterzug wieder abzubauen. Leider mit verminderter Materialeinsatzbereitschaft, da einige Anhänger (darunter auch mein Materialanhänger) aus Platzgründen wieder nach Dübendorf überführt wurden.
Der Umstand, dass wir am Morgen schon früh wieder zum Wetter mussten verschaffte uns die Möglichkeit den Nachrichtenposten bereits früher abzubauen und von der Unterkunft her die Meldungen abzusetzen, was relativ gemütlich war.
Wir überstanden die Nacht in der Kalten Scheune gut. Auch wenn es jedes mal wieder eine Qual war aus dem warmen Schlafsack wieder an Kälte zu kommen.
Wir erledigten unseren Job aber Trozdem und sogar meine Zeitschätzung welche ich auf Anfrage des Fachausbildners machen musste ging Perfekt auf (10 Minuten vor der Zeit ;-) ). Da wir in unserer Gruppe wieder einen sehr knappen Personalbestand hatten stieg ich zur Abwechlung auch mal wieder auf eine Telefonstange hoch um dort ein Bisschen die Aussicht zu geniessen die Kabel herunterzunehmen.
Am Donnerstag verschoben wir danach die Kompanie nach Wallisellen, wo wir unsere letzten Wochen verbleiben. Nach dem Zimmerbezug konnten wir schon bald in die relativ angenehmen Betten liegen – ohne Vorahnung was am nächsten Tag nebst der Übungsbesprechung auf dem Plan steht. Es wurde jedoch etwas von einer Übung “AGA” gemunkelt was aber nicht wirklich Sinn machte.
Während der Übungsbesprechung wurde danach der Schleier gelüftet. Die Übungsleitung will uns für unsere Gute Arbeit belohnen und entlässt uns nach dem Kasernen Parkdienst um 1600 Uhr ins Wochenende.
Mit viel Elan wurde die sowieso saubere Kaserne geputzt und wir konnten mit einer halbstündigen Verspätung ins Wochenende.
Apropos Gute Arbeit: Während der letzten Wochen wurden die Meldungen, welche wir von unseren Posten absetzten immer wieder Verifiziert und die Posten wurden auf einer Rangliste geführt. Während der Übung “Interarmes” hatte meine Gruppe die besten Werte erzielt! 96% Korrekte Meldungen! (War ja auch mal Zeit ;-) )

16. November 2008 ·
Und wieder hab ich lange nichts geschrieben. Wieso wohl? Die VBA war teilweise sehr anstrengend, und die Wochenenden zu kurz um sich über das Geschehene auszulassen. Aber hier kommt nun das “Round Up” meiner letzten Wochen von der “Kriegsfront Schweiz” ;-)
Die beiden Wochen waren geprägt durch wenig Schlaf, aufmerksamem beobachten und der Aufklärung vom Boden aus sowie aus der Luft.
Gedeckt, Getarnt und Ungesehen, Ungehört gehörten zum Einsatzstandard.
Woche 17 – Übung “Semper Sersum”
Die erste Woche Semper Sersum gestaltete sich relativ hektisch und Nervzehrend, da die Vorgaben der Übungsleitung nicht einfach waren und die Zeiten sehr knapp berechnet waren. Die Aufbauzeiten für einen Nachrichtenposten waren – Naja sagen wir mal – sportlich. Die Befehlsausgaben kamen meistens kurz vor 12.00 in der Nacht über die Zugführer. Danach hiess es meistens für die Gruppenführer “AVOR” mit anschliessendem Liegend Lang aufgelegt auf Schlafsack um kurz danach wieder aufzustehen (05.15). Danach musste man den 5 Punkte Befehl bereit haben um seinen Trupp ordentlich auf die Situation vorzubereiten. Nach erfolgter Materialkontrolle (welche sich am morgen nicht immer ganz einfach gestaltete) ging es daran unser Dispositiv zu beziehen.
Neben dem Ordentlichen Arbeiten, hatte ich einige Spezialaufträge gefasst. Da unser Wetterzug die meteorologischen Erkenntnisse aus der Arbeit an das Meteo Schweiz übermittelt brauchen die zur Auftragserfüllung einige Telefon und Fax Leitungen um genau zu sein brauchen die 3 Leitungen ;-) Ich hatte mit meinem Detachement zusammen den Auftrag die Leitung in Kreuzlingen aufzubauen, und danach an den Verschiebungsstandort nähe Luzern zu gelangen. Der Einsatz des Detachements war genial und der Leitungsbau (welcher relativ knifflig war zum Teil) wurde mittels Tiefbau und Untergrundbau verlegt sodass die Herren Wetterzug keine Wünsche mehr offen hatten.
In dieser Woche hüteten wir zudem noch die Zentrale, was mit Wenig Schlaf und viel Arbeit verbunden war. Das Ziel der Übungsleitung war, dass wir eine Zentrale so einrichten, dass man die Kompanie von da aus im Einsatz führen kann – Was zugegebenermassen anfänglich relativ schwierig war…
Woche 18 – Übung “Semper Sersum”
Die Woche 18 stand immer noch unter dem Zeichen von “Semper Sersum”. Am Montag baute ich mit meiner Postenmannschaft einen Posten auf, um danach am Abend relativ überraschend abgelöst zu werden um mit meinem Detachement zum Wetterzug zu Verschieben und da zu Übernachten, um nach 0500 Uhr mit dem Leitungsrückbau zu beginnen.
Wir machten uns mit einem Puch auf in Richtung Kreuzlingen und kamen etwa um 0200 Uhr frühmorgens an. Die grössten Probleme dieses Auftrags waren der relativ Knappe Personalbestand und der Fahrer welche seine Ruhezeiten einhalten muss.
Als ich am Morgen um 0515 Uhr beim Zugführer des Wetterzugs meine Informationen abholte kriegte ich nicht direkt das zu Hören, was ich eigentlich hören wollte. Übungsbedingt brannte irgendwo eine Chemiefabrik, was für uns ABC-Bereitschaftsgrad 2 zur folge hatte. Mein anfängliches “Mir si vom Nachrichtezug und ghöre nid zu öire Üebig” wurde vom Zugführer des Wetterzugs mit einem “Das isch mir nosoglich!” quitiert. Henusode wir lieben ja den ABC-Schutzanzug. Weiter wurde mir mitgeteilt, dass die Leitungen bis 1200 bestehen müssen und wir erst am Mittag mit dem Rückbau beginnen dürften. Einige würden jetzt schon wieder das Wort “Chaos-Armee” in die Weltgeschichte hinausposaunen (wie das in den letzten Wochen im schweizweit meist gelesenen Altpapier öfters getan wurde ), ich vermute hier aber ein Kommunikations und Führungsproblem.
Nach einem sehr gemütlichen Morgen mit einer erweiterten “Leitungsinspektion” und Waffenparkdienst mit Leidenschaft (man könnte auch Langeweile sagen) ging es daran die Leitung zurück zubauen.
Während des Rückbaus wurde ich noch informiert, dass wir einen Marschbereitschaftsgrad hätten in welchem wir in spätestens 90 Minuten abfahrbereit sein müssten. Mein Vorschlag die 3 Kabelleitungen am Puch zu befestigen und einmal stark daran zu Ziehen wurde nicht so gerne gehört, jedoch war danach klar kommuniziert, dass ich mit meinem Detachement die 90 Minuten wohl nicht einhalten werde ;-)
Mein Hauptziel wurde jedoch sauber eingehalten, da wir früher als der Wetterzug vom Standort abfuhren um an einem Anderen Standort wieder die Leitungen bereit zu stellen. Die Leitung nähe Bischofszell war wie schon die vorhergehende in Kreuzlingen eine aus der Kategorie “Knifflig”. Wir starteten im Hochbau um danach im Tiefbau unter Brücken durch Wasser und Regenrinnen (welche ziemlich verrostet waren und nur mittels Anwendung einer anständigen Portion Gewalt zur Mitarbeit bewegt werden konnten) zu bauen. Da es aber schon relativ früh Eindunkelte erkämpften wir uns letzten Meter der Leitung im Dunkeln mit Taschenlampen bewaffnet.
Nach getaner Arbeit gönnten wir uns die bewilligte Pensionsverpflegung (da wir weder in Dübendorf noch in Unserer Unterkunft in Luzern zum Abendessen gemeldet waren).
Geschlaucht und aber Zufrieden fielen wir kurz nach unserer Rückkehr in die Betten um am Donnerstag wieder einen Beobachtungsposten zu erstellen.
Der Postenbau war unterdessen schon eine relativ reibungslose Mechanik welche ohne grosse Schwierigkeiten von der Hand geht. Wenn da nur keine kaputten Heringe für die Funkantenne etc. wären ;-) Am Nachmittag kam Überraschen hoher Besuch des Hauptadjundanten auf meinen Posten. Er inspizierte meine Unterkunft und meinen Posten. Ich stand rede und Antwort und erklärte auch wo unsere Mankos liegen (Stichwort: Planskizze). Weiter unterhielten wir uns noch über die Arbeiten welche ich in der Letzten zeit erledigt hatte. Ich war sehr erstaunt, dass er sogar über die Leitungen vom Wetterzug sehr genau Bescheid wusste. Im Grossen und Ganzen war er zufrieden und zog mit einem “Zeigen Sie Ihr bestes bei der Inspektion” von dannen. Später am Nachmittag kam mein Zugführer mit einem meiner Kameraden vorbei um mich zu Informieren, dass ich am Donnerstag am BUSA (Berufsunteroffiziersschule) Informationstag beiwohnen müsse.
In solchen Situationen bekommt der oftmals verwendete Spruch “Chöit dir öich das o Bruefflech vorstelle” ganz neue tiefgründige Züge ;-) Aber was tut man nicht alles für das Vaterland. Dank Schneetreiben und Stau verpassten wir den Transport von Dübendorf nach Herisau und verschoben selbständig mit unserem Fahrer und Puch in Richtung Herisau. Der Herr ohne Grad (gemäss Feldi) mit dem wir während der Fahrt Kontakt hatten und informierten wo wir uns befinden stellte sich als Chefadjundant heraus. Naja kleine Fehler können ja mal passieren…
Der Tag in Herisau war sehr spannend und irgendwie speziell, da die militärischen Umgangsformen da komplett anders gelebt werden als uns das sonst bekannt war.
Am Abend verschoben wir mittels Zug über St. Gallen – Zürich – Luzern zurück zu unserem Kompaniestandort. Und genossen auch während der Zugfahrt eine Pensionsverpflegung (man muss sich halt irgendwie zu helfen wissen ;-) )
Sichtlich gut gelaunt trafen wir am Abend auf die weniger gut gelaunte Kompanie, welche gerade einen Ganzen Tag Fachdienst Inspektion über sich ergehen liess.
Am nächsten Tag stand die Inspektion der Allgemeinen Grundausbildung auf dem Plan. Beginn einer Solchen Inspektion ist das Aufstellen der Kompanie auf zwei Gliedern mit dem Abstand von 10 Metern von Reihe zu Reihe. Danach wird alles gerichtet, dass auch jeder möglichst gleich aussieht. Das hat natürlich viele Kontrollen und Korrekturen zur folge, biss alles so platziert und eingestellt ist wie es muss.
Da es in der Nacht auf den Inspektionsfreitag ca. 10 Zentimeter Schnee gegeben hatte gestaltete sich das herumstehen sehr frostig. Wir bestanden (zu unserem erstaunen) die Inspektion mit einer guten Note.
Der Oberst, welcher uns Inspizierte holte danach die Unteroffiziere noch zu sich um uns für unseren Einsatz in den vergangenen Wochen zu Danken auch wenn wir teilweise “freiwillig, nicht freiwillig und noch ein weniger freiwillig” weitergemacht haben. Von mir aus gesehen ein sehr starker zug des Herren Oberst.
