FULW RS 95-2 : Woche 20 - Übung “DHU - Finale”
Berühmt, berüchtigt, gefürchtet und vor allem Unberechenbar. So wurde uns im Vorfeld von der Durchhalteübung (DHU) erzählt. Geistig auf das schlimmste vorbereitet starteten wir in die Durchhaltewoche. Da ich am Sonntagabend zur falschen Zeit am falschen Ort neben dem Hauptfeldweibel vorbeischlich wurde ich direkt zum Wachtkomandanten befördert. Tja so hat es einem. Ich führte also die Zutrittskontrolle in Wallisellen. Irgendwann vor Mitternacht hatten die Kader die Befehlsausgabe für die DHU. Irgendwann in der Nacht (es war etwa 0200) traf ich meinen Zugführer in der Kaserne. Er hatte mir den Auftrag den Funknetzplan für die DHU zu erstellen.
Am Montag stellten wir das Komplette Material bereit und verluden dieses auf die Anhänger. Am Dienstag standen AGA-Repetitionslektionen auf dem Tagesplan. Ich durfte eine Funkgerätlektion abhalten, welche von den Wenigsten im Raum aufgenommen wurde. Daher ersparte ich mir nach der Ersten von 3 Lektionen die Mühe und liess die anderen Lektionen bleiben. Die Funkgeräte waren sowieso eingerichtet das sie Funktionierten und wenn etwas nicht so tat wie es sollte, wendete man sich sowieso an mich ;-) (Ich könnte fast behaupten das Pareto-Prinzip angewendet zu haben). Nebst den Lektionen absolvierten die Soldaten noch den Wachtdienst-Test und ein 300Meter Schiessen.
Danach verschoben wir in Richtung Oberurnen zur Eternit AG wo wir als Schlafplatz eine Lagerhalle für spezialbeschichtete Eternitplatten bezogen. Leider war diese Halle nicht wirklich Standhaft, sodass der Regen, welcher in dieser Nacht fiel ungehindert den weg in unsere Schlafsäcke fand. Am Morgen schwamm ich zum Schlafsack hinaus und kämpfte zum ersten mal mit meiner Eigenmotivation. Diese war aber schnell gefunden, da unser Trupp die Nachrichtenzentrale aufbauen durfte. Und die Zentrale ist erfahrungsgemäss trocken, warm und wettergeschützt. Als Stützpunkt dienten uns zwei grosse Hangarhallen welche von einem Zug komplett eingezäunt und mit Stacheldraht gehärtet wurde. Dieser Zug stellte danach die Sicherung des Dispos sicher.
Im Hangar selbst bauten wir mit den vorhandenen Mittel die Komandowände und richteten uns innerhalb weniger Stunden komplett ein, sodass auch die Übungsleitung mit dem Ergebnis sehr zufrieden war. Nach dem Aufbau war Schichtbetrieb angesagt. Wir einigten uns auf 4 Stunden Schichten, was mit 4 Wachtmeistern eine sehr gemütliche Angelegenheit ergab. Ich schlief die meiste Zeit wenn ich nicht gerade irgendwo gebraucht wurde.
Via Telefon kam von unserer Vorgesetzten Stelle, dem Flugplatz Kommando, immer wieder neue Lageinformationen. Es war ja fast anzunehmen, dass irgendwann eine Bombe gefunden wird welche irgendwo in der Industrie etwas hochgiftiges verstreut, das auf uns zu Steuert. Für uns hiess das langsame Bereitschaftsgraderhöhung. Am Schluss sassen wir im C-Vollschutz da und warteten auf die Verschiebung nach Frauenfeld.
Hier wurde meine Durchhalteübung aber auch schon relativ abrupt abgebrochen, da sich in meinem Leben ausserhalb der Armee einige Dinge getan haben welche meine Anwesenheit erforderten. So wurde ich ausgegliedert und am Donnerstagabend entlassen. Hier noch ein dank an die Übungsleitung, welche die Angelegenheit sehr schnell und problemlos organisiert haben. Danke!

FULW RS 95-2 : Woche 19 Übung “Interarmes”
Das unsere Verbandsausbildung sehr Verlegungsintensiv sein wird war uns schon im Vorfeld bekannt. So erstaunte es auch nicht, dass wir mehr oder weniger Geordnet von Luzern her in Richtung St. Gallen um da wieder eine Anlage zu beziehen. In dieser Woche wurden wir in der Übung “Interarmes” eingesetzt. Die Übung hatte eine sehr lange Ausgangslage, welche man mehrmals lesen musste um irgendwie nur eine Ahnung zu kriegen um was es da genau ging. Jedenfalls waren zwei der Länder um die Schweiz sehr konfliktgeladen und die Aggressoren lieferten sich ein Säbelrasseln an den schweizer Grenzen.
Der Übungsname lässt auch darauf zurück schliessen, dass verschiedene Truppengattungen und Funktionen zusammen einen Auftrag erfüllen. Jedoch wurde das wohl nur in der Zentrale wirklich sichtbar, auf dem Feld merkte man nicht viel, ausser das einmal eine Führungsstaffel mit ihren Fahrzeugen an uns vorbei fuhr…
Einerseits galt es 3 Beobachtungsposten zu betreiben und die Nachrichtenzentrale für den Einsatzverband Boden bereit zu stellen.
Bis auf einige Konflikte mit dem Bauern - dessen Scheune wir nutzten, ohne dass er davon in Kenntnis gesetzt wurde. Verlief die Übung sehr ruhig. An die Zielflüge mit der Alouette 3 und den PC-7/9 hatten wir uns gewöhnt und auch die Zentrale glänzte im Einsatzbunker beim Augenschein des Brigadiers.
Ich hatte auch in dieser Woche wieder den Auftrag die Verbindungen beim Wetterzug wieder abzubauen. Leider mit verminderter Materialeinsatzbereitschaft, da einige Anhänger (darunter auch mein Materialanhänger) aus Platzgründen wieder nach Dübendorf überführt wurden.
Der Umstand, dass wir am Morgen schon früh wieder zum Wetter mussten verschaffte uns die Möglichkeit den Nachrichtenposten bereits früher abzubauen und von der Unterkunft her die Meldungen abzusetzen, was relativ gemütlich war.
Wir überstanden die Nacht in der Kalten Scheune gut. Auch wenn es jedes mal wieder eine Qual war aus dem warmen Schlafsack wieder an Kälte zu kommen.
Wir erledigten unseren Job aber Trozdem und sogar meine Zeitschätzung welche ich auf Anfrage des Fachausbildners machen musste ging Perfekt auf (10 Minuten vor der Zeit ;-) ). Da wir in unserer Gruppe wieder einen sehr knappen Personalbestand hatten stieg ich zur Abwechlung auch mal wieder auf eine Telefonstange hoch um dort ein Bisschen die Aussicht zu geniessen die Kabel herunterzunehmen.
Am Donnerstag verschoben wir danach die Kompanie nach Wallisellen, wo wir unsere letzten Wochen verbleiben. Nach dem Zimmerbezug konnten wir schon bald in die relativ angenehmen Betten liegen - ohne Vorahnung was am nächsten Tag nebst der Übungsbesprechung auf dem Plan steht. Es wurde jedoch etwas von einer Übung “AGA” gemunkelt was aber nicht wirklich Sinn machte.
Während der Übungsbesprechung wurde danach der Schleier gelüftet. Die Übungsleitung will uns für unsere Gute Arbeit belohnen und entlässt uns nach dem Kasernen Parkdienst um 1600 Uhr ins Wochenende.
Mit viel Elan wurde die sowieso saubere Kaserne geputzt und wir konnten mit einer halbstündigen Verspätung ins Wochenende.
Apropos Gute Arbeit: Während der letzten Wochen wurden die Meldungen, welche wir von unseren Posten absetzten immer wieder Verifiziert und die Posten wurden auf einer Rangliste geführt. Während der Übung “Interarmes” hatte meine Gruppe die besten Werte erzielt! 96% Korrekte Meldungen! (War ja auch mal Zeit ;-) )

FULW RS 95-2 : Woche 17 und 18
Und wieder hab ich lange nichts geschrieben. Wieso wohl? Die VBA war teilweise sehr anstrengend, und die Wochenenden zu kurz um sich über das Geschehene auszulassen. Aber hier kommt nun das “Round Up” meiner letzten Wochen von der “Kriegsfront Schweiz” ;-)
Die beiden Wochen waren geprägt durch wenig Schlaf, aufmerksamem beobachten und der Aufklärung vom Boden aus sowie aus der Luft.
Gedeckt, Getarnt und Ungesehen, Ungehört gehörten zum Einsatzstandard.
Woche 17 - Übung “Semper Sersum”
Die erste Woche Semper Sersum gestaltete sich relativ hektisch und Nervzehrend, da die Vorgaben der Übungsleitung nicht einfach waren und die Zeiten sehr knapp berechnet waren. Die Aufbauzeiten für einen Nachrichtenposten waren - Naja sagen wir mal - sportlich. Die Befehlsausgaben kamen meistens kurz vor 12.00 in der Nacht über die Zugführer. Danach hiess es meistens für die Gruppenführer “AVOR” mit anschliessendem Liegend Lang aufgelegt auf Schlafsack um kurz danach wieder aufzustehen (05.15). Danach musste man den 5 Punkte Befehl bereit haben um seinen Trupp ordentlich auf die Situation vorzubereiten. Nach erfolgter Materialkontrolle (welche sich am morgen nicht immer ganz einfach gestaltete) ging es daran unser Dispositiv zu beziehen.
Neben dem Ordentlichen Arbeiten, hatte ich einige Spezialaufträge gefasst. Da unser Wetterzug die meteorologischen Erkenntnisse aus der Arbeit an das Meteo Schweiz übermittelt brauchen die zur Auftragserfüllung einige Telefon und Fax Leitungen um genau zu sein brauchen die 3 Leitungen ;-) Ich hatte mit meinem Detachement zusammen den Auftrag die Leitung in Kreuzlingen aufzubauen, und danach an den Verschiebungsstandort nähe Luzern zu gelangen. Der Einsatz des Detachements war genial und der Leitungsbau (welcher relativ knifflig war zum Teil) wurde mittels Tiefbau und Untergrundbau verlegt sodass die Herren Wetterzug keine Wünsche mehr offen hatten.
In dieser Woche hüteten wir zudem noch die Zentrale, was mit Wenig Schlaf und viel Arbeit verbunden war. Das Ziel der Übungsleitung war, dass wir eine Zentrale so einrichten, dass man die Kompanie von da aus im Einsatz führen kann - Was zugegebenermassen anfänglich relativ schwierig war…
Woche 18 - Übung “Semper Sersum”
Die Woche 18 stand immer noch unter dem Zeichen von “Semper Sersum”. Am Montag baute ich mit meiner Postenmannschaft einen Posten auf, um danach am Abend relativ überraschend abgelöst zu werden um mit meinem Detachement zum Wetterzug zu Verschieben und da zu Übernachten, um nach 0500 Uhr mit dem Leitungsrückbau zu beginnen.
Wir machten uns mit einem Puch auf in Richtung Kreuzlingen und kamen etwa um 0200 Uhr frühmorgens an. Die grössten Probleme dieses Auftrags waren der relativ Knappe Personalbestand und der Fahrer welche seine Ruhezeiten einhalten muss.
Als ich am Morgen um 0515 Uhr beim Zugführer des Wetterzugs meine Informationen abholte kriegte ich nicht direkt das zu Hören, was ich eigentlich hören wollte. Übungsbedingt brannte irgendwo eine Chemiefabrik, was für uns ABC-Bereitschaftsgrad 2 zur folge hatte. Mein anfängliches “Mir si vom Nachrichtezug und ghöre nid zu öire Üebig” wurde vom Zugführer des Wetterzugs mit einem “Das isch mir nosoglich!” quitiert. Henusode wir lieben ja den ABC-Schutzanzug. Weiter wurde mir mitgeteilt, dass die Leitungen bis 1200 bestehen müssen und wir erst am Mittag mit dem Rückbau beginnen dürften. Einige würden jetzt schon wieder das Wort “Chaos-Armee” in die Weltgeschichte hinausposaunen (wie das in den letzten Wochen im schweizweit meist gelesenen Altpapier öfters getan wurde ), ich vermute hier aber ein Kommunikations und Führungsproblem.
Nach einem sehr gemütlichen Morgen mit einer erweiterten “Leitungsinspektion” und Waffenparkdienst mit Leidenschaft (man könnte auch Langeweile sagen) ging es daran die Leitung zurück zubauen.
Während des Rückbaus wurde ich noch informiert, dass wir einen Marschbereitschaftsgrad hätten in welchem wir in spätestens 90 Minuten abfahrbereit sein müssten. Mein Vorschlag die 3 Kabelleitungen am Puch zu befestigen und einmal stark daran zu Ziehen wurde nicht so gerne gehört, jedoch war danach klar kommuniziert, dass ich mit meinem Detachement die 90 Minuten wohl nicht einhalten werde ;-)
Mein Hauptziel wurde jedoch sauber eingehalten, da wir früher als der Wetterzug vom Standort abfuhren um an einem Anderen Standort wieder die Leitungen bereit zu stellen. Die Leitung nähe Bischofszell war wie schon die vorhergehende in Kreuzlingen eine aus der Kategorie “Knifflig”. Wir starteten im Hochbau um danach im Tiefbau unter Brücken durch Wasser und Regenrinnen (welche ziemlich verrostet waren und nur mittels Anwendung einer anständigen Portion Gewalt zur Mitarbeit bewegt werden konnten) zu bauen. Da es aber schon relativ früh Eindunkelte erkämpften wir uns letzten Meter der Leitung im Dunkeln mit Taschenlampen bewaffnet.
Nach getaner Arbeit gönnten wir uns die bewilligte Pensionsverpflegung (da wir weder in Dübendorf noch in Unserer Unterkunft in Luzern zum Abendessen gemeldet waren).
Geschlaucht und aber Zufrieden fielen wir kurz nach unserer Rückkehr in die Betten um am Donnerstag wieder einen Beobachtungsposten zu erstellen.
Der Postenbau war unterdessen schon eine relativ reibungslose Mechanik welche ohne grosse Schwierigkeiten von der Hand geht. Wenn da nur keine kaputten Heringe für die Funkantenne etc. wären ;-) Am Nachmittag kam Überraschen hoher Besuch des Hauptadjundanten auf meinen Posten. Er inspizierte meine Unterkunft und meinen Posten. Ich stand rede und Antwort und erklärte auch wo unsere Mankos liegen (Stichwort: Planskizze). Weiter unterhielten wir uns noch über die Arbeiten welche ich in der Letzten zeit erledigt hatte. Ich war sehr erstaunt, dass er sogar über die Leitungen vom Wetterzug sehr genau Bescheid wusste. Im Grossen und Ganzen war er zufrieden und zog mit einem “Zeigen Sie Ihr bestes bei der Inspektion” von dannen. Später am Nachmittag kam mein Zugführer mit einem meiner Kameraden vorbei um mich zu Informieren, dass ich am Donnerstag am BUSA (Berufsunteroffiziersschule) Informationstag beiwohnen müsse.
In solchen Situationen bekommt der oftmals verwendete Spruch “Chöit dir öich das o Bruefflech vorstelle” ganz neue tiefgründige Züge ;-) Aber was tut man nicht alles für das Vaterland. Dank Schneetreiben und Stau verpassten wir den Transport von Dübendorf nach Herisau und verschoben selbständig mit unserem Fahrer und Puch in Richtung Herisau. Der Herr ohne Grad (gemäss Feldi) mit dem wir während der Fahrt Kontakt hatten und informierten wo wir uns befinden stellte sich als Chefadjundant heraus. Naja kleine Fehler können ja mal passieren…
Der Tag in Herisau war sehr spannend und irgendwie speziell, da die militärischen Umgangsformen da komplett anders gelebt werden als uns das sonst bekannt war.
Am Abend verschoben wir mittels Zug über St. Gallen - Zürich - Luzern zurück zu unserem Kompaniestandort. Und genossen auch während der Zugfahrt eine Pensionsverpflegung (man muss sich halt irgendwie zu helfen wissen ;-) )
Sichtlich gut gelaunt trafen wir am Abend auf die weniger gut gelaunte Kompanie, welche gerade einen Ganzen Tag Fachdienst Inspektion über sich ergehen liess.
Am nächsten Tag stand die Inspektion der Allgemeinen Grundausbildung auf dem Plan. Beginn einer Solchen Inspektion ist das Aufstellen der Kompanie auf zwei Gliedern mit dem Abstand von 10 Metern von Reihe zu Reihe. Danach wird alles gerichtet, dass auch jeder möglichst gleich aussieht. Das hat natürlich viele Kontrollen und Korrekturen zur folge, biss alles so platziert und eingestellt ist wie es muss.
Da es in der Nacht auf den Inspektionsfreitag ca. 10 Zentimeter Schnee gegeben hatte gestaltete sich das herumstehen sehr frostig. Wir bestanden (zu unserem erstaunen) die Inspektion mit einer guten Note.
Der Oberst, welcher uns Inspizierte holte danach die Unteroffiziere noch zu sich um uns für unseren Einsatz in den vergangenen Wochen zu Danken auch wenn wir teilweise “freiwillig, nicht freiwillig und noch ein weniger freiwillig” weitergemacht haben. Von mir aus gesehen ein sehr starker zug des Herren Oberst.

FULW RS 95-2 : Woche 17
Lieber Leser, zu kurz ist die Zeit die mir an diesem Wochenende bleibt einen Einblick in die vergangenen Stunden der Woche 17 nieder zuschreiben.
Es ist goldrichtig, dass ich seit Beginn der Übung “Semper Sersum” wenig geschlafen habe und dieser Umstand am Wochenende vermehrt ausgeglichen wurde.
Was genau passiert ist werde ich nächstes Wochenende niederschreiben. All die Umstände, welche die Übungsleitung uns beschert hat welche von Chemiezwischenfällen bis zu Hubschrauberlandungen neben unserem Nachrichtenposten führen.
Einen Gruss richte ich von hier aus auch noch an die Redaktion unserer Übungsleitungs-Zeitung die Hot Luzerner News, welche sich hier hin und wieder ein bisschen Inspiration abholt.
In diesem Sinne:
Semper fidelis (Stets treu, was die Kameradschaft betrifft)
Semper paratus (Immer bereit, was den Auftrag betrifft)
Semper vigilans (Immer Wachsam, was das Beobachten zu jeder Tag und Nachtzeit angeht)
Semper sersum (Immer weiterführend, was die steigenden Anforderungen der Übung versinnbildlicht)

FULW RS 95-2 : Woche 16
Die Verbandsausbildung (VBA) ist ja bekanntlicherweise die Zeit, in welcher das Gelernte aktiv (sozusagen “im Einsatz”) angewendet wird. So ist es auch nicht verwunderlich, dass wir am Montag ziemlich viel in die Kampfrucksäcke packten und oben drauf noch der Schlafsack geschnallt wurde. Übung “Real” wir kommen!
Die Übung “Real” hatte zum Ziel, dass jeder Nachrichten Zug seine Aufgabe einmal unter erschwerten Bedingungen und Zeitdruck durchspielt. Die Übung hatte insgesamt 3 Phasen in welchen die Züge abwechslungsweise Funk-Beobachtungsposten, Draht-Beobachtungsposten oder den Zentralenbetrieb übernahmen. Da wir in unserem Zug nur Soldaten für 2 Gruppen hatten konnte ich in der Phase 1 der Übung ein bisschen kürzer Treten und mich um das Rückwärtige für die nächsten Phasen kümmern (Zeitpläne, Ablösungspläne, Tagespicasso und ähnliches).
Aus Fehlern lernt man. Daher könnte man sagen, dass wir in der ersten Phase sehr viel gelernt haben!Zitat Fachausbildner
Es lief wahrlich nicht alles reibungslos in der ersten Phase. Jedoch lernt man immer dazu und man kann es in der Folgephase besser machen. In der zweiten Phase nahmen wir uns der Zentrale an. Und ich habe mich selbst zu 10 Stunden Zentrale verdonnert, da ich in der ersten Phase nicht viel gemacht habe und dies Ausgleichen wollte. Das Ergebnis war ein relativ wacher und zudem aufgedrehter (übermotiviert könnte man auch sagen) Wachtmeister am Mittwochmorgen ;-) Während der Übungsbesprechung wurde es teilweise ein bisschen lauter als gewohnt, da einige Herren in der Runde nicht begriffen hatten, wann man welche Fragen stellen sollte. Die Phase 2 war klar nicht Erfüllt (”NEF Miner Herre! NEF!!”).
Am Mittwoch startete die Phase 3 wo ich während der Übung erstmals richtig draussen im Feld eingesetzt wurde. Mit dem Ziel vor Augen alles besser zu machen gingen wir an unser Werk. Beobachtungsposten aufbauen, tarnen, Rückwärtiges aufbauen, Kochen etc. etc. es gibt zu tun und wir waren gut im Zeitplan.
Die Nacht war genial, jedenfalls wenn man uns aufklären musste. Vollmond, grösstenteils Wolkenlos und warm (ca. 17°C). Bei diesen Bedingungen machte es mir nicht viel aus ab und zu Kontrollen auf dem Beobachtungsposten zu machen. Als ich mir sicher war, dass alles funktioniert und die Sache rund läuft gönnte ich mir auch ein paar stunden Schlaf im Pikettraum unserer Unterkunft. Mein Ausflug ins Traumland währte aber nicht so lange, nach gefühlten 5 Minuten wurde ich geweckt. Die Kameradenwarnung hat angegeben, dass die Schulkommandantin unseren Posten inspizieren wollte. Dies war nichts neues, da des öftern mal ein Adjundant mitten in der Nacht als “Alptraum” getarnt bei uns vorbei schaute, und überprüfte ob alles funktioniert wie es soll.
Mit ein bisschen Zeitgefühl und Glück machte ich mich am frühen morgen auf den Weg zu unserem Beobachtungsstandort, wo auch schon die Schulkommandantin und unser Fachausbilder warteten und sichtlich überrascht waren, dass ich als Ehrengarde erscheine. Nach einem kleinen Rundgang meldeten sie sich ab und verschoben zu einem anderen Nachrichtenposten um auch diesen noch zu Inspizieren.
Fehler wurden in der letzten Phase fast keine gefunden, es klappte fast alles gut - Naja fast alles. Die Übungsleitung hatte es vergessen um 0400 die neuen Marschbereitschaftsgrade bekannt zu geben, was einige Verwirrung gab. Aber das war zum Glück: “Nicht Problem meiner Stufe” ;-) Streng genommen hätte ich erst um 1130 wieder bei der Zentrale sein müssen, da ich aus dem Standardbereitschaftsgrad 4 Stunden Vorlaufzeit haben muss. Bereitschaftsgrade sind manchmal etwas Schönes ;-)
Nach der Übung starteten wir damit, das Material zu Kontrollieren und uns für die Verlegung bereit zu machen. Danach winkte schon ein Ausgang, welchen ich zum Packen und schlafen zu nutzen vermochte.
Am Freitag wurde die Kaserne komplett geputzt und abgabefertig gemacht. Danach hiess es Urlaub bis Montagabend.
Ab Dienstagmorgen die Übung “Semper sersum” was etwa “Even onward -> Immer mehr/weiter” bedeutet. Grob gesagt geht es in dieser Übung um einen fiktiven Ernsteinsatz, es wird also spannend! Aber davon kann ich nächstes Wochenende mehr erzählen…
Ich wünsche eine schöne Woche!

FULW RS 95-2 : Woche 15
“Sie haben Urlaub bis Sonntag 12. Oktober 2340. 2340 ABV! Kompanie Ruhn! Schönes Wochenende!” Mit diesen Worten endete für mich die bis jetzt längste Zeit in der Kaserne. Aufgrund der Wochenendwache war ich geschlagene 2 Wochen “auf Platz”. Was mich anfänglich nicht gross störte, jedoch mit der zeit an meinen Nerven nagte (und das war bei weitem nicht das einzige was meine Nerven zu strapazieren vermochte).
Da wir am immer noch in der Truppenverifikation eingesetzt waren, hatten eine kurzverlegung in die Gegend von Flims/Laax. Die Verschiebung mit einem vollen Duro plus Anhänger war für einmal etwas ganz neues, da man aus der Kaserne raus kam und halt mal etwas anderes zu Gesicht bekommt. Der Duro hatte vor Flims (Flem) ziemlich zu kämpfen sodass der Fahrer den Geländegang zuschaltete und wir danach mit verminderter Geschwindigkeit (und umso mehr Lärmentwicklung) in richtung unseres Ziels tuckerten.
Angekommen am Platz galt es die Unterkunft zu beziehen und die ersten Arbeiten auszuführen. Da es aber schon relativ spät war gestaltete sich der Abend mit Abendessen, PD/ID und Ausgang. Am nächsten Tag ging es aber voll zur Sache. Da uns während dem Fassen des Materials aber einige Fehler unterlaufen waren standen wir mit ziemlich lädierten Akkus für die Funkgeräte und falschen Meldegeräten ziemlich im Schilf. Zudem kam auch noch, dass die Anlage nicht so ausgerüstet war wie wir uns das von unseren Übungsanlagen gewohnt sind. Es fehlte also an Akkus, Meldegeräten und einer kompletten Funkstation - “Darfs no öppis meh si?”.
Dank einigen kreativen Einfällen und ein bisschen Bastelei (McGuiver wäre stolz auf uns gewesen!) konnten wir mit der Anlage ein wenig verspätet online gehen und das System testen.
Die Zeit verging sehr schnell und wir verschoben nach einer gröberen Materialkontrolle und Verzögerung wegen einem fehlenden Schlüssel wieder zurück nach Dübendorf wo wir eigentlich den FAK Ausgang haben sollten. Jedoch wurde aus dem FAK Ausgang ein eher kürzeres Unterfangen. Der Nachrichten Zug 1 gesellte sich in die nahe gelegene Stamm-Ausschankstelle und gönnte sich ein zwei Biere (oder auch einen mehr oder weniger berüchtigten Springbock - Sambuca, Tabasco, Tequilla = Prost!)
Am Mittwoch stand die Übung “Bisikon” auf dem Programm wo zum zweiten mal nach dem Leitungsbaugelände Kloten über eine längere Distanz Leitungsbau betrieben wurde.
Der Donnerstag war durch Materialkontrollen und Umräumarbeiten in unserem Lehrgebäude geprägt. Ich stellte am Donnerstag Nachmittag bereits die Materiallisten für den Besuchertag am Samstag zusammen, was relativ zu tun gab. Bevor es in den PD/ID ging verluden wir das Material auf unseren Duro und verschoben zurück in die Kaserne wo wir den Wetterpeiler aufgrund der falschen Parkposition komplett einparkieren ;-)
Am Freitag starteten die lange ersehnten Aufbauarbeiten für den Besuchstag. Wir starteten am Morgen nach dem AV mit dem Tarnen unseres “Beobachtungsposten Draht” welcher in einem Holzturm eingerichtet wurde. Das Tarnen des Turms war relativ aufwändig und verschlang fast einen Halben Tag. Am Nachmittag wurde dann vom Schulkomando unser Bau inspiziert und einige Sachen in punkto Sicherheit korrigiert. So wurde unsere Aktion als gefährlich eingestuft (ab 18 Jahren und betreten auf eigene Verantwortung) und zudem wurde der Eingang verlegt.
Der Besuchstag verlief relativ angenehm und ruhig (was teilweise auch an Befehlen lag, welches einige Action-Elemente verhinderte). Zu unserem Beobachtungsposten verirrten sich nur wenige Leute was auch daran liegen könnte, dass 2 Duros als Sichtschutz vor unseren Eingang gestellt wurden. Normalerweise störe ich mich nicht an solchen Dingen, wenn etwas als zu gefährlich angesehen wird. Nach den Ereignissen um die Armee im Verlauf des letzten Jahres stehe ich natürlich auch für Sicherheit mit ein, jedoch kann ich mich nicht damit abfinden wenn man 3 Leute einen ganzen Tag arbeiten lässt und erst im letzten Moment die Handbremse zu ziehen versucht. Ich gerate als Gruppenführer danach schnell in Argumentationsnotstand, wenn ich meinen Unterstellten erklären muss wieso jetzt da zwei Duros unsere Ausstellung torpedieren. Die Motivation nach solch einer Aktion ist denkbar tief.
Naja man kann nicht immer alles haben.
Ich wünsche eine gute Woche!

FULW RS 95-2 : Ü “Beta” - Besuchertag
Wie jede RS hat auch die FULW RS 92-2 (unterdessen in der Verbandsausbildung - VBA auch bekannt unter Luftwaffen Nachrichten Kompanie 95) einen Besuchstag wo wir über den Platz defilieren und den Angehörigen zeigen was wir Nachrichteler, Wetterfrösche und Werkbetriebler im Militär eigentlich so machen. (Und natrlich suchen wir auch aktiv nach neuen Mitarbeitern für “die Firma” - Scherz bei Seite).
Hier das Grobprogramm.
Datum: Samstag, 11. Oktober 2008
Programm:
ab 0830 - Einlass in Kaserne
0900 - Beginn Vorführungen / Demos etc.
1245 - Mittagessen (Anmeldung notwendig)
1330 - Hauptverlesen und Ende des Besuchstages
Standort: Theodor Real Kaserne, Dübendorf ZRH
Anreise: Via Zug oder mittels PKW möglich (wir haben das Rollfeld vom Flugplatz als Parkplatz frei räumen lassen). Wer eine Landebewilligung erhält kann auch in LSZH oder LSMD mit dem Flugzeug landen.
@ Rouge, Habi, Kusito, Leu und BlgMdyBrn-Crew es hätt noch platz für euch ;-)

FULW RS 95-2 : Woche 14
Lieber Leser auch wenn ich das Wochenende in der Kaserne verbringe kommst du nicht zu kurz mit der Abhandlung der Geschehnisse von Letzter Woche, wir wollen ja nicht nachlässig erscheinen.
Sind wir ehrlich, es sind die Kleinen Dinge die im Leben stören. Begonnen beim koffeinfreien Kaffee über fehlende oder verlegte Schlüssel, nicht pünktlich aufgezogene oder sogar fehlende Fahnen bis zu fehlenden Informationen und Unterlagen.
Aber beginnen wir doch wieder von vorne. Die Woche 14 war einerseits eine der chaotischsten (ich denke, dass ich das mit “gutem” Gewissen behaupten darf). Einerseits ist das Feld-Testverfahren für die neue Version unserer Nachrichtenzentrale angerollt und das gibt relativ viel zu Testen. Okay irgendwie vermisse ich (und das sage ich irgend ungern) die Hermes-Mässigen Testprotokolle oder etwas der gleichen, die ganze Testerei hat zwar Schema aber erscheint mir auf den ersten blick wie die Testverfahren die ich während dem 2ten Lehrjahr angewendet habe… Try and Try and Error then problably Retry ;-) Ich denke wir verstehen uns.
Wir waren die meiste Zeit damit beschäftigt Mobile und Fixe Beobachtungsposten aufzustellen. Dieser Tätigkeit gingen wir meist irgendwo um unser Lehrgebäude nach, da wir ja noch in der Fachausbildung waren und die “Echteinsätze” erst ab nächster Woche stattfinden.
Der Bau eines Beobachtungspostens liegt in der Obhut des Gruppenführers, und anfänglich klappte dies noch nicht bei jedem Ausführenden so reibungslos wie das der Fall sein sollte, aber aus Fehlern zieht man die Schlüsse und verbessert sich stets.
Diese Woche war nicht nur wegen der Testtätigkeit speziell, sondern auch weil unser Detachements Koch sein können unter Beweis stellen musste. Und ich war jedes Mal aufs Neue überrascht was er uns aufgetischt hat… es war köstlich (und trotzdem konnte er seine Leistung am letzten Tag mit einem Dessert noch einmal übertreffen). Danke nochmal an den Det Koch!
Der Donnerstag bildete für viele einen Meilenstein. Die Beförderung vom Rekruten zum Soldaten. Wie Beförderungsfeiern normalerweise aufgebaut sind, enthalten sie wie auch schon bei meiner Beförderung zum Soldaten etwas Kulturelles, was die Verschiebung zum Morgartendenkmal nach sich zog. Was an diesem Ort passierte wurde uns von unserem Zugführer in einer kurzen und teilweise nicht sehr ernst gemeinten Ansprache näher gebracht. Danach verschoben wir in die nähe eines Schiessplatzes (welchen wir bereits von der Schiessübung Difesa kannten) und marschierten über einen Hügel in das dahinter gelegene Einsiedeln ein.
Nachdem man sich kurz retablieren konnte, standen eine Tonbildschau um das Kloster Einsiedeln und ein Allgemeinwissenstest auf dem Programm. Die Tonbildschau war sehr interessant und von den Fotos her spitze, was mich aber nicht daran hinderte ein bisschen mehr in mich zu gehen und mich zu “hinterfragen”.
Im halbdunkel gewordenen Hof des Klosters mussten wir danach mit Béret und Regenschutz bewaffnet für kurze Zeit stramm stehen und die Rekruten wurden auf einen Schlag innerhalb wenigen Sekunden zum Grad des Soldaten befördert. Sehr schlicht aber effektiv ;-)
Danach wurden die Soldatenstrichlein in Stellung gebracht und das Apèro genossen (was unser Zug aufgrund der leicht gereizten Reaktion seitens der Küchenfront wohl zu innig tat). Nach dem Apèro wurden noch die “Sieger” des Allgemeinwissenstests bekannt gegeben und das Abendessen aus der Gamelle eingenommen.
Später verschoben wir mit dem Lastwagen wieder zurück nach Dübendorf; retablierten uns wie gewohnt um danach mehr oder weniger gut gelaunt ins Bett zu liegen.
Gemäss Dienstreglement Artikel 62 Abs. 1 war die Feier sicherlich schlicht gehalten aber aus meiner Sicht alles andere als würdig. Ich verlange nicht, dass jeder Soldat einzeln befördert wird, jedoch hätte man irgendwie organisieren können die Beförderung in der hellen und überaus schönen Kirche des Klosters durchzuführen als im dunklen Nass des klösterlichen Innenhofs. Es machte auf mich einfach einen improvisierten Eindruck, welcher den Leistungen der letzten Wochen von der Seite der Rekruten nicht wirklich Rechnung Trug. Aber das ist wohl einfach meine subjektive Empfindung. Es sind halt Details, die den Eindruck des Gesamten ausmachen.
Aber gehen wir weg vom negativen. Ich habe meine Haare geschnitten! Okay das interessiert wohl kaum jemanden und ist auch nichts spezielles da dies tagtäglich tausende Menschen tun. Ich entschied mich jedoch für die “radikal” Variante: Haarschneidemaschine ohne Aufsatz.
Das die Soldaten im Zimmer 105 (die Soldaten werden aufgrund der Redaktionellen Geheimhaltung nicht genannt), vor der Beförderung ebenfalls den Militärschnitt 87 anwendeten freute mich sehr. Wir tragen die Haare nun wie es sich gehört militärisch: “lang”, offen und im Wind wehend ;-)
Als die Kompanie am Samstagmorgen neu geordnet für die Verbandsausbildung ins Wochenende entlassen wurde, stehe ich mit der KC-Armbinde bewaffnet bei unserer Zutrittskontrolle und schaue zu wie die Soldaten langsam in der Morgendämmerung richtung Bahnhof davon ziehen.
Richtig, ich bleibe übers Wochenende in der TRK als Wachtkommandant, hier auf dem Platz um für Recht und Ordnung während dem Wochenende zu sorgen. Nicht ich alleine sondern 9 Soldaten, 1 Wachtmeister (alter ego) und ein Leutnant.
Inzwischen haben wir den Grossteil des Wochenendes (mehr oder weniger gut) hinter uns gebracht. Bis auf kleinere Zwischenfälle (die einen 6.5er nach sich zogen) hatten wir ein gutes wenn auch teilweise kaltes Wochenende hier in Dübendorf.

FULW RS 95-2 : Woche 13
Die Woche 13 lässt sich grob mit 3 Punkten umschreiben: ABC-Spezialausbildung, Terminato und Beförderung.
Doch beginnen wir ganz vorne beim Anfang der Woche. Für zwei von vier Nachrichten Zügen hiess es ab Montagmorgen “ABC-Woche”. Die lange versprochene Ausbildung zum ABC Spezialisten wartete. Nach dem Morgensport verschoben wir in das Lehrgebäude 3 und begannen gleich mit einem ABC-Test welcher den Ablauf eines A oder C-Alarms abfragte. Ziel war natürlich diesen Test ohne Fehler zu bestehen (was anfänglich nicht immer klappte). Das weitere Programm war geprägt durch ABC-Vollschutz anziehen, Theorien über A und C Waffen, das kennenlernen der verschiedenen Messgeräten und das behelfsmässige Dekontaminieren in einer Dekontaminierungsstrasse. Bereits am Anfang fühlte ich mich in den Lektionen sehr heimelig, da der Major und der Oberstleutnant im breitspurigsten Berndeutsch redeten.
Unterstützt wurden die Ausbilder durch drei ABC-Korporäle (welche zu diesem Zeitpunkt noch Soldaten waren). Einige der Kader hatten ein bisschen Mühe sich mit der Situation abzufinden, dass nun halt ein Rangtieferer die Befehle gibt. Für mich war das kein Problem: “Funktion vor Grad” ist hierbei die Devise und ich glaube nicht, dass ich einem Soldaten zu widersprechen habe, welcher sich seit 13 Wochen mit der ABC-Materie herum schlägt (und Beruflich auch in diesem Gebiet zuhause ist).
Am Mittwoch wurde die Übung “Capisce” gestartet und wir mussten das erworbene Wissen in verschiedenen Testbögen unter Beweis stellen (wir lösten fast alle die Bögen mehrfach, bis wir bestanden hatten). Ich war vor dem Mittag schon geistig mit der Übung “Terminato” beschäftigt und versaute als einziger den ersten Test 2 Mal in Folge, was natürlich einige Witze von Seiten der Rekruten nach sich zog. Nach einem Schutzmasken Grossparkdienst à la ABC-Zentrum Spiez konnten wir das Detachement ABC-Woche abmelden und in die Kaserne zurück verschieben.
Angekommen in der Kaserne packte ich meine sieben Sachen für die Übung “Terminato” zusammen und war danach bereit für die Befehlsausgabe (welche es offiziell gar nie gegeben hat). Ich wurde als Gruppenführer für die erste Stufe der Übung bestimmt und musste die Gruppe Zwei während dem ersten 30 Kilometermarsch nach Hinwil führen. Die erste Etappe marschierten wir unter guter Stimmung in 5 Stunden und 15 Minuten. Einzig mein rechtes Knie machte sich nach etwa 25 Kilometern wieder bemerkbar. Dank einem Deal mit dem Stabsadjundanten durften wir aber pro Gruppe 2 Rucksäcke, 1 Grundtrageeinheit und 1 Gewehr abgeben. Ich wurde meinen Rucksack los und konnte so (leicht humpelnd) den Rest absolvieren.
In Hinwil angekommen hatten wir 30 Minuten Zeit BG4 zu erstellen (ich hatte den BG4 ja noch niiie an diese Woche ;-) ) und zusätzlich die SIM-Gstältli für ein kommendes SIM-Gefecht. Danach verschoben wir mit 2 Puchs in Richtung Wahlenberg zu unserem Spielplatz für grosse Kinder. Dort Angekommen mussten wir in das Gelände verschieben und unseren Standort tarnen. Die Marschstrecke war etwas bei 1.2 Kilometern und es war Stockdunkel. Der Gruppenführer hatte Zugriff auf einen 3 Fach Restlichtverstärker und führte uns so zu unserem Ziel. Für mich persönlich war dieser Marsch das Mühsamste was ich erlebt habe. Ich war “Taub” - Wegen den Earplugs welche ich montiere, falls wir schiessen würden. Ich war “Blind” - Weil es im Wald sehr dunkel war und die Schutzmaske das Gesichtsfeld enorm einengt. Und ich stand unter Last, weil es noch einiges an Material mitzuführen galt. Kurz ich stand ein bisschen unter Strom was ich nach etwa 3/4 der Strecke lautstark kund tat.
Am Sammelpunkt angekommen Hängten wir einige Blachen vor unsere Unterkunft, dass möglichst kein Licht nach aussen drang und die Andere Seite uns mit dem Wärmebildgerät nicht sehen konnte. Kamerad Sperandio und ich hatten zudem den Auftrag den Gegner auszukundschaften. Ich erhielt hierbei die Rolle des Lockvogels, welcher sich ziemlich Ungetarnt dem Gegnerischen Stützpunkt näherte (Det. Himmelfahrtskommando) und so die nötige Aufmerksamkeit auf mich zog um meinem Kameraden die Arbeit zu erleichtern. Ich bekam sehr viel über die Standorte mit über, da es relativ laut wurde als ich 15 Meter vor dem Gegner auftauchte. “Scheisse, Jungs da isch eine… Was möchemer iz?!?” Ich wurde jedoch entgegen meiner Vorahnung nicht festgenommen und konnte meine Streifzüge durchs Gelände weiterführen. Danach hiess es Schlafen gehen was im BG4 mit SIM-Gestältli nicht wirklich einfach ist. Nach einigen “erholsamen” Minuten Schlaf erwachte ich durch den leise vor sich hin fluchenden Kameraden Weber “Es isch verdammt Chaut hie!”. Da mir selbst auch relativ kalt war beschloss ich das Feuer vor unserer Hütte wiederzubeleben, was mir nach ein paar Minuten auch gelang. Eine kurze Information in unsere Unterkunft, dass ich draussen wieder Feuer gemacht habe brachte die ganze Gruppe ums Feuerchen, wo ich ziemlich schnell wieder einschlief.
Kurz darauf erhielten wir den Befehl BG0 zu erstellen und das Morgenessen zu geniessen. Wobei geniessen der Falsche Ausdruck war. Nach einer mit Wasser angemachten Schoggi und einem Stück Brot konnten wir uns für das SIM-Gefecht mit Munition und Nebelkörpern (Yeah Boy!) ausrüsten. Nach drei Durchgängen als Angreifer hatten wir den Grossteil der Nebelkörper und der Munition verschossen. Nach dem Mechanischen Entladen und Aufräumen des Schiessplatzes ging es weiter ins Schwimmbad Uster wo jede Gruppe einen Kilometer als Teamleistung schwimmen musste. Einerseits anstrengend aber auch sehr angenehm nach den Strapazen der ersten 30 Kilometer.
Danach ging es wieder Richtung Hinwil auf das Übungsgelände. Das Neue Tenue war Käschu und Helm. Was Danach folgte war sehr horizonterweiternd. Ich lasse hier bewusst offen was wir genau gemacht haben. Jedenfalls ist es eine sehr spassige Angelegenheit mit einem 27.7 Tonnen Fahrzeug in der Gegend zu Verschieben und dabei versehentlich einen Puch bei Seite zu verschieben.
Nach diesem Informativen Teil hiess es Marschvorbereitung, Verpflegen und Reinigen der Unterkunft. Nach Abschluss dieser Arbeiten verschoben wir in das Dörfchen Girenbad, von wo aus der 30 Kilometer Rückmarsch startete. Für mich startete der Marsch erst ab Zwipfposten 1 da ich im Duro verschieben musste (jede Gruppe hatte wiederum die Möglichkeit einen Komplett ausgerüsteten Mann abzugeben) Nach einigen Minuten der Widerrede nahm ich im Duro Platz mit dem Wissen, dass ich den Rückmarsch komplett durchziehen musste (und auch wollte). Der Rückmarsch war geprägt durch Kartografische schwierigkeiten, einigen Stimmungstiefs und Intuitiver Wegfindung im Wald (dafür war ich teilweise verantwortlich).
Es war sehr interessant zu sehen, dass sich ein Marsch mit den Kadern ab einer gewissen Ermüdungsphase kaum vom Marsch mit den Rekruten/Soldaten unterscheidet. Während des Marschs war ich oftmals als Co-Navigator vorne. Die letzten Kilometer waren danach nur noch beissen und Kopfsache. Erstaunlicherweise habe ich mir nur 2 kleine Blasen zugezogen, jedoch spürte ich die Folgen des Marsches überall im Körper in Form von Verspannungen.
Angekommen in der TRK war Retablieren, Duschen und Schlafen Liegend Lang angesagt, um um 0800 wieder in alter Frische im Ausgänger fürs Morgenessen bereit zu stehen.
Danach übten wir im Airforce Center unsere Beförderung ein, dass am Nachmittag auch keine Fehler passieren.
Die Beförderung selbst war teilweise eher langfädig aber trotzdem sehr spannend. Unsere Schulkommandantin zeigte mit ihrer Rede sehr viel Feingefühl und ging auf unsere bisherige Laufbahn ein (was bei uns einige Reaktionen hervorrief). Und da war es bald soweit “Oberstleutnant Obergefreiter Widmer” - “Ruhn, Wachtmeister Widmer - Ich Gratuliere”. Nach der Zeremonie standen taufrisch 5 Leutnants, 1 Hauptfeldweibel, 1 Fourier und 15 Wachtmeister im Saal. Nach der Nationalhymne und dem Ausmarsch unserer Standarte wurden wir Abgemeldet und konnten nach dem Einnehmen des Apéro ins Wochenende Verfügen.
Ich wünsche eine schöne Woche!
P.S. Meine Adresse hat sich marginal geändert ;-)
Wm Widmer
FULW RS 95-2
Zug 2 - Na
Kaserne
8600 Dübendorf

FULW RS 95-2 : Woche 12
Die Temperaturen sinken, am morgen liegt ein Nebelschleier über dem Kasernenareal, die Bäume werfen langsam die Blätter ab. Es ist wieder Käschu-Zeit! (FYI: Käschu = Kälteschutzjacke)
Die Woche 12 war, so darf dem man sagen, gemütlich und kurz. Man spürte das die Fachbezogene Grundausbildung (FGA) langsam in reichweite kommt. Andere Beginnen die Wochen oder Stunden zu zählen, die sie noch im Armeedienst fristen müssen. Für einige hat das Abverdienen bereits letzten Freitag mit der Beförderung zum Wachtmeister ein ende gefunden (immer diese Studis die Fraktionieren… ;-) )
Nach einem langen Wochenende rückten wir am Montag Abend wieder ein und bestritten zwei Tage mit Technischem Dienst. Als Belohnung winkte am Dienstag und Mittwoch ein Ausgang.
Am Donnerstag morgen stand für die Rekruten AGA-Repetition auf dem Programm und einige Rekruten durften bei Mir und meinem Kamerad Weber ihre Kentnisse am Sturmgewehr zeigen. Wir waren nicht mit allem zufrieden und konnten nach einigen Wiederholungen und Vorzeigen die Fehler beheben.
Am Donnerstag-Nachmittag startete danach auch die Marschübung “Quarto”, welche sich über 25 Leistungskilometer erstreckte. Die Stimmung (sowie Zwischenverpflegung zwischen den Checkpoints) war dank unseren Rekruten genial und schaffte es meine nicht wirklich blendende Stimmung hoch zu halten. Die Temperaturen während dem Marsch wahren eher kühl und es Regnete teilweise also Ideale Bedingungen. Nach geschätzten 19 Kilometer meldete sich mein rechtes Knie mal wieder zu Worte/Schmerze, was unserem Major wohl aufgefallen ist. “Widmer geht es ihnen?” - “Hier - Immer doch Herr Major!”. Unterdessen geht es wieder besser, ich bin gespannt wie es mir bei unserer Abschlussübung “Terminato” nächste Woche ergehen wird.
Der Freitag war durch FUM Abschlusstests und Sport geprägt. Danach konnten wir schon wieder ins Wochenende verfügen.
Pardon, ich habe versehentlich erst heute gemerkt das ich den Beitrag noch gar nicht Online gestellt habe. Eigentlich hätte der schon letzten Sonntag erscheinen sollen…
