FULW RS 95-2 : Woche 13

Die Woche 13 lässt sich  grob mit 3 Punkten umschreiben: ABC-Spezialausbildung, Terminato und Beförderung.

Doch beginnen wir ganz vorne beim Anfang der Woche. Für zwei von vier Nachrichten Zügen hiess es ab Montagmorgen “ABC-Woche”. Die lange versprochene Ausbildung zum ABC Spezialisten wartete. Nach dem Morgensport verschoben wir in das Lehrgebäude 3 und begannen gleich mit einem ABC-Test welcher den Ablauf eines A oder C-Alarms abfragte. Ziel war natürlich diesen Test ohne Fehler zu bestehen (was anfänglich nicht immer klappte). Das weitere Programm war geprägt durch ABC-Vollschutz anziehen, Theorien über A und C Waffen, das kennenlernen der verschiedenen Messgeräten und das behelfsmässige Dekontaminieren in einer Dekontaminierungsstrasse. Bereits am Anfang fühlte ich mich in den Lektionen sehr heimelig, da der Major und der Oberstleutnant im breitspurigsten Berndeutsch redeten.

Unterstützt wurden die Ausbilder durch drei ABC-Korporäle (welche zu diesem Zeitpunkt noch Soldaten waren). Einige der Kader hatten ein bisschen Mühe sich mit der Situation abzufinden, dass nun halt ein Rangtieferer die Befehle gibt. Für mich war das kein Problem: “Funktion vor Grad” ist hierbei die Devise und ich glaube nicht, dass ich einem Soldaten zu widersprechen habe, welcher sich seit 13 Wochen mit der ABC-Materie herum schlägt (und Beruflich auch in diesem Gebiet zuhause ist).

Am Mittwoch wurde die Übung “Capisce” gestartet und wir mussten das erworbene Wissen in verschiedenen Testbögen unter Beweis stellen (wir lösten fast alle die Bögen mehrfach, bis wir bestanden hatten). Ich war vor dem Mittag schon geistig mit der Übung “Terminato” beschäftigt und versaute als einziger den ersten Test 2 Mal in Folge, was natürlich einige Witze von Seiten der Rekruten nach sich zog. Nach einem Schutzmasken Grossparkdienst à la ABC-Zentrum Spiez konnten wir das Detachement ABC-Woche abmelden und in die Kaserne zurück verschieben.

Angekommen in der Kaserne packte ich meine sieben Sachen für die Übung “Terminato” zusammen und war danach bereit für die Befehlsausgabe (welche es offiziell gar nie gegeben hat). Ich wurde als Gruppenführer für die erste Stufe der Übung bestimmt und musste die Gruppe Zwei während dem ersten 30 Kilometermarsch nach Hinwil führen. Die erste Etappe marschierten wir unter guter Stimmung in 5 Stunden und 15 Minuten. Einzig mein rechtes Knie machte sich nach etwa 25 Kilometern wieder bemerkbar. Dank einem Deal mit dem Stabsadjundanten durften wir aber pro Gruppe 2 Rucksäcke, 1 Grundtrageeinheit und 1 Gewehr abgeben. Ich wurde meinen Rucksack los und konnte so (leicht humpelnd) den Rest absolvieren.

In Hinwil angekommen hatten wir 30 Minuten Zeit BG4 zu erstellen (ich hatte den BG4 ja noch niiie an diese Woche ;-) ) und zusätzlich die SIM-Gstältli für ein kommendes SIM-Gefecht. Danach verschoben wir mit 2 Puchs in Richtung Wahlenberg zu unserem Spielplatz für grosse Kinder. Dort Angekommen mussten wir in das Gelände verschieben und unseren Standort tarnen. Die Marschstrecke war etwas bei 1.2 Kilometern und es war Stockdunkel. Der Gruppenführer hatte Zugriff auf einen 3 Fach Restlichtverstärker und führte uns so zu unserem Ziel. Für mich persönlich war dieser Marsch das Mühsamste was ich erlebt habe. Ich war “Taub” – Wegen den Earplugs welche ich montiere, falls wir schiessen würden. Ich war “Blind” – Weil es im Wald sehr dunkel war und die Schutzmaske das Gesichtsfeld enorm einengt. Und ich stand unter Last, weil es noch einiges an Material mitzuführen galt. Kurz ich stand ein bisschen unter Strom was ich nach etwa 3/4 der Strecke lautstark kund tat.

Am Sammelpunkt angekommen Hängten wir einige Blachen vor unsere Unterkunft, dass möglichst kein Licht nach aussen drang und die Andere Seite uns mit dem Wärmebildgerät nicht sehen konnte. Kamerad Sperandio und ich hatten zudem den Auftrag den Gegner auszukundschaften. Ich erhielt hierbei die Rolle des Lockvogels, welcher sich ziemlich Ungetarnt dem Gegnerischen Stützpunkt näherte (Det. Himmelfahrtskommando) und so die nötige Aufmerksamkeit auf mich zog um meinem Kameraden die Arbeit zu erleichtern. Ich bekam sehr viel über die Standorte mit über, da es relativ laut wurde als ich 15 Meter vor dem Gegner auftauchte. “Scheisse, Jungs da isch eine… Was möchemer iz?!?” Ich wurde jedoch entgegen meiner Vorahnung nicht festgenommen und konnte meine Streifzüge durchs Gelände weiterführen. Danach hiess es Schlafen gehen was im BG4 mit SIM-Gestältli nicht wirklich einfach ist. Nach einigen “erholsamen” Minuten Schlaf erwachte ich durch den leise vor sich hin fluchenden Kameraden Weber “Es isch verdammt Chaut hie!”. Da mir selbst auch relativ kalt war beschloss ich das Feuer vor unserer Hütte wiederzubeleben, was mir nach ein paar Minuten auch gelang. Eine kurze Information in unsere Unterkunft, dass ich draussen wieder Feuer gemacht habe brachte die ganze Gruppe ums Feuerchen, wo ich ziemlich schnell wieder einschlief.

Kurz darauf erhielten wir den Befehl BG0 zu erstellen und das Morgenessen zu geniessen. Wobei geniessen der Falsche Ausdruck war. Nach einer mit Wasser angemachten Schoggi und einem Stück Brot konnten wir uns für das SIM-Gefecht mit Munition und Nebelkörpern (Yeah Boy!) ausrüsten. Nach drei Durchgängen als Angreifer hatten wir den Grossteil der Nebelkörper und der Munition verschossen. Nach dem Mechanischen Entladen und Aufräumen des Schiessplatzes ging es weiter ins Schwimmbad Uster wo jede Gruppe einen Kilometer als Teamleistung schwimmen musste. Einerseits anstrengend aber auch sehr angenehm nach den Strapazen der ersten 30 Kilometer.

Danach ging es wieder Richtung Hinwil auf das Übungsgelände. Das Neue Tenue war Käschu und Helm. Was Danach folgte war sehr horizonterweiternd. Ich lasse hier bewusst offen was wir genau gemacht haben. Jedenfalls ist es eine sehr spassige Angelegenheit mit einem 27.7 Tonnen Fahrzeug in der Gegend zu Verschieben und dabei versehentlich einen Puch bei Seite zu verschieben.

Nach diesem Informativen Teil hiess es Marschvorbereitung, Verpflegen und Reinigen der Unterkunft. Nach Abschluss dieser Arbeiten verschoben wir in das Dörfchen Girenbad, von wo aus der 30 Kilometer Rückmarsch startete. Für mich startete der Marsch erst ab Zwipfposten 1 da ich im Duro verschieben musste (jede Gruppe hatte wiederum die Möglichkeit einen Komplett ausgerüsteten Mann abzugeben) Nach einigen Minuten der Widerrede nahm ich im Duro Platz mit dem Wissen, dass ich den Rückmarsch komplett durchziehen musste (und auch wollte). Der Rückmarsch war geprägt durch Kartografische schwierigkeiten, einigen Stimmungstiefs und Intuitiver Wegfindung im Wald (dafür war ich teilweise verantwortlich).

Es war sehr interessant zu sehen, dass sich ein Marsch mit den Kadern ab einer gewissen Ermüdungsphase kaum vom Marsch mit den Rekruten/Soldaten unterscheidet. Während des Marschs war ich oftmals als Co-Navigator vorne. Die letzten Kilometer waren danach nur noch beissen und Kopfsache. Erstaunlicherweise habe ich mir nur 2 kleine Blasen zugezogen, jedoch spürte ich die Folgen des Marsches überall im Körper in Form von Verspannungen.

Angekommen in der TRK war Retablieren, Duschen und Schlafen Liegend Lang angesagt, um um 0800 wieder in alter Frische im Ausgänger fürs Morgenessen bereit zu stehen.

Danach übten wir im Airforce Center unsere Beförderung ein, dass am Nachmittag auch keine Fehler passieren.

Die Beförderung selbst war teilweise eher langfädig aber trotzdem sehr spannend. Unsere Schulkommandantin zeigte mit ihrer Rede sehr viel Feingefühl und ging auf unsere bisherige Laufbahn ein (was bei uns einige Reaktionen hervorrief). Und da war es bald soweit “Oberstleutnant Obergefreiter Widmer” – “Ruhn, Wachtmeister Widmer – Ich Gratuliere”. Nach der Zeremonie standen taufrisch 5 Leutnants, 1 Hauptfeldweibel, 1 Fourier und 15 Wachtmeister im Saal. Nach der Nationalhymne und dem Ausmarsch unserer Standarte wurden wir Abgemeldet und konnten nach dem Einnehmen des Apéro ins Wochenende Verfügen.

Ich wünsche eine schöne Woche!

P.S. Meine Adresse hat sich marginal geändert ;-)
Wm Widmer
FULW RS 95-2
Zug 2 – Na
Kaserne
8600 Dübendorf

2 thoughts on “FULW RS 95-2 : Woche 13

  1. Hehe, naja man gewöhnt sich dran… mit der Zeit.

    Ehm Rouge… der Besuchertag ist bald… und Onkel Rouge wäre immer noch eingeladen ;) Ich werd das dann mal auf BlgMdyBrn streuen ;) mal schauen wie hoch die motivation ist.

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