FULW RS 95-2 : Woche 14

Lieber Leser auch wenn ich das Wochenende in der Kaserne verbringe kommst du nicht zu kurz mit der Abhandlung der Geschehnisse von Letzter Woche, wir wollen ja nicht nachlässig erscheinen.

Sind wir ehrlich, es sind die Kleinen Dinge die im Leben stören. Begonnen beim koffeinfreien Kaffee über fehlende oder verlegte Schlüssel, nicht pünktlich aufgezogene oder sogar fehlende Fahnen bis zu fehlenden  Informationen und Unterlagen.

Aber beginnen wir doch wieder von vorne. Die Woche 14 war einerseits eine der chaotischsten (ich denke, dass ich das mit “gutem” Gewissen behaupten darf).  Einerseits ist das Feld-Testverfahren für die neue Version unserer Nachrichtenzentrale angerollt und das gibt relativ viel zu Testen. Okay irgendwie vermisse ich (und das sage ich irgend ungern) die Hermes-Mässigen Testprotokolle oder etwas der gleichen, die ganze Testerei hat zwar Schema aber erscheint mir auf den ersten blick wie die Testverfahren die ich während dem 2ten Lehrjahr angewendet habe… Try and Try and Error then problably Retry ;-) Ich denke wir verstehen uns.

Wir waren die meiste Zeit damit beschäftigt Mobile und Fixe Beobachtungsposten aufzustellen. Dieser Tätigkeit gingen wir meist irgendwo um unser Lehrgebäude nach, da wir ja noch in der Fachausbildung waren und die “Echteinsätze” erst ab nächster Woche stattfinden.

Der Bau eines Beobachtungspostens liegt in der Obhut des Gruppenführers, und anfänglich klappte dies noch nicht bei jedem Ausführenden so reibungslos wie das der Fall sein sollte, aber aus Fehlern zieht man die Schlüsse und verbessert sich stets.

Diese Woche war nicht nur wegen der Testtätigkeit speziell, sondern auch weil unser Detachements Koch sein können unter Beweis stellen musste. Und ich war jedes Mal aufs Neue überrascht was er uns aufgetischt hat… es war köstlich (und trotzdem konnte er seine Leistung am letzten Tag mit einem Dessert noch einmal übertreffen). Danke nochmal an den Det Koch!

Der Donnerstag bildete für viele einen Meilenstein. Die Beförderung vom Rekruten zum Soldaten. Wie Beförderungsfeiern normalerweise aufgebaut sind, enthalten sie wie auch schon bei meiner Beförderung zum Soldaten etwas Kulturelles, was die Verschiebung zum Morgartendenkmal nach sich zog. Was an diesem Ort passierte wurde uns von unserem Zugführer in einer kurzen und teilweise nicht sehr ernst gemeinten Ansprache näher gebracht. Danach verschoben wir in die nähe eines Schiessplatzes (welchen wir bereits von der Schiessübung Difesa kannten) und marschierten über einen Hügel in das dahinter gelegene Einsiedeln ein.

Nachdem man sich kurz retablieren konnte, standen eine Tonbildschau um das Kloster Einsiedeln und ein Allgemeinwissenstest auf dem Programm. Die Tonbildschau war sehr interessant und von den Fotos her spitze, was mich aber nicht daran hinderte ein bisschen mehr in mich zu gehen und mich zu “hinterfragen”.

Im halbdunkel gewordenen Hof des Klosters mussten wir danach mit Béret und Regenschutz bewaffnet für kurze Zeit stramm stehen und die Rekruten wurden auf einen Schlag innerhalb wenigen Sekunden zum Grad des Soldaten befördert. Sehr schlicht aber effektiv ;-)

Danach wurden die Soldatenstrichlein in Stellung gebracht und das Apèro genossen (was unser Zug aufgrund der leicht gereizten Reaktion seitens der Küchenfront wohl zu innig tat). Nach dem Apèro wurden noch die “Sieger” des Allgemeinwissenstests bekannt gegeben und das Abendessen aus der Gamelle eingenommen.

Später verschoben wir mit dem Lastwagen wieder zurück nach Dübendorf; retablierten uns wie gewohnt um danach mehr oder weniger gut gelaunt ins Bett zu liegen.

Gemäss Dienstreglement Artikel 62 Abs. 1 war die Feier sicherlich schlicht gehalten aber aus meiner Sicht alles andere als würdig. Ich verlange nicht, dass jeder Soldat einzeln befördert wird, jedoch hätte man irgendwie organisieren können die Beförderung in der hellen und überaus schönen Kirche des Klosters durchzuführen als im dunklen Nass des klösterlichen Innenhofs. Es machte auf mich einfach einen improvisierten Eindruck, welcher den Leistungen der letzten Wochen von der Seite der Rekruten nicht wirklich Rechnung Trug. Aber das ist wohl einfach meine subjektive Empfindung. Es sind halt Details, die den Eindruck des Gesamten ausmachen.

Aber gehen wir weg vom negativen. Ich habe meine Haare geschnitten! Okay das interessiert wohl kaum jemanden und ist auch nichts spezielles da dies tagtäglich tausende Menschen tun. Ich entschied mich jedoch für die “radikal” Variante: Haarschneidemaschine ohne Aufsatz.

Das die Soldaten im Zimmer 105 (die Soldaten werden aufgrund der Redaktionellen Geheimhaltung nicht genannt), vor der Beförderung ebenfalls den Militärschnitt 87 anwendeten freute mich sehr. Wir tragen die Haare nun wie es sich gehört militärisch: “lang”, offen und im Wind wehend ;-)

Als die Kompanie am Samstagmorgen neu geordnet für die Verbandsausbildung ins Wochenende entlassen wurde, stehe ich mit der KC-Armbinde bewaffnet bei unserer Zutrittskontrolle und schaue zu wie die Soldaten langsam in der Morgendämmerung richtung Bahnhof davon ziehen.

Richtig, ich bleibe übers Wochenende in der TRK als Wachtkommandant, hier auf dem Platz um für Recht und Ordnung während dem Wochenende zu sorgen. Nicht ich alleine sondern 9 Soldaten, 1 Wachtmeister (alter ego) und ein Leutnant.

Inzwischen haben wir den Grossteil des Wochenendes (mehr oder weniger gut) hinter uns gebracht. Bis auf kleinere Zwischenfälle (die einen 6.5er nach sich zogen) hatten wir ein gutes wenn auch teilweise kaltes Wochenende hier in Dübendorf.